Forschergeist am Fuß des Watzmanns – Eine Woche voller Experimente, Entdeckungen und Abenteuer
Wochenbericht – Forscherfahrt der 8. Klassen 2026 nach Berchtesgaden
Kaum hatte der Bus am Montagmorgen die Alpen im Blick, war die Aufregung greifbar: Eine Woche voller naturwissenschaftlicher Entdeckungen, praktischer Experimente und gemeinsamer Abenteuer lag vor den Schülerinnen und Schülern. Ziel war die Jugendherberge Berchtesgaden – eingebettet zwischen imposanten Gipfeln, klaren Seen und einer Umgebung, die den Forschergeist nahezu herausfordert.
Tag 1: Ankommen und Eintauchen in die Natur
Nach der Anreise ging es direkt ins „Haus der Berge“, wo die alpine Tier- und Pflanzenwelt lebendig wurde. Besonders eindrucksvoll: Viele Tierexponate wie Siebenschläfer, Reh oder Braunbär durften aus nächster Nähe betrachtet und sogar berührt werden – ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Die Ameisen-Ausstellung präsentierte uns faszinierende Fotografien dieser kleinen Organisationstalente und eröffnete neue Blickwinkel auf ihre komplexe Lebensweise.
Beim anschließenden Stadtbummel durch Berchtesgaden konnten erste Eindrücke gesammelt und die besondere Atmosphäre des Ortes genossen werden.
Tag 2: Naturwunder und Teamgeist am Königssee
Der Dienstag begann mit einem echten Höhepunkt: der Fahrt über den smaragdgrünen Königssee, der mit einer Tiefe von bis zu 192 Metern zu den tiefsten Seen Deutschlands zählt. Mit dem Schiff ging es nach St. Bartholomä, während das berühmte Trompetenspiel erklang und sein Echo von den steilen Felswänden eindrucksvoll zurückgeworfen wurde.
In der interaktiven Ausstellung „Make Water Move“ wurde anschließend gerätselt, experimentiert und im Team gearbeitet: Escape-Aufgaben rund ums Thema Wasser forderten Kreativität und logisches Denken.
Eine Rundwanderung über die Insel Hirschau mit beeindruckenden Ausblicken sowie ein entspannter Bummel entlang der Seepromenade in Schönau rundeten diesen erlebnisreichen Tag ab.
Tag 3: Forschen, Experimentieren, Konstruieren
Im Schülerforschungszentrum wurde Wissenschaft am dritten Tag greifbar. Im Workshop „Salz aus Steinsalz gewinnen“ wurde zunächst theoretisch gearbeitet: Mit Knetmodellen wurde der Aufbau von Steinsalz nachvollzogen und die Unterschiede zwischen Watzmann und Untersberg erarbeitet. Anschließend ging es ans Experimentieren: Steinsalz wurde zerkleinert, mit Wasser gelöst und durch Filtration und Verdunstung wieder gewonnen. Der Blick durchs Mikroskop zeigte schließlich eindrucksvoll die Struktur des selbst hergestellten Salzes im Vergleich zu handelsüblichem.
Parallel dazu entstanden im Workshop „Kinetische Kreaturen aus Holz“ kreative Maschinen mit Bewegung: Mit Holz, Motoren, Kabeln und weiteren Materialien entwickelten die Schülerinnen und Schüler eigene Konstruktionen. Dabei wurden handwerkliche Techniken wie Sägen, Bohren, Löten oder Schleifen ebenso erlernt wie grundlegende Prinzipien von Mechanik und Elektrik.
Tag 4: Moderne Technik und Mathematik im Alltag
Auch der vierte Tag stand ganz im Zeichen des Entdeckens. Im 3D-Druck-Workshop entwarfen die Schülerinnen und Schüler mit „Tinkercad“ eigene Modelle – vom personalisierten Schlüsselanhänger bis zu kreativen Objekten aus Vorlagen der Plattform „Thingiverse“. Diese wurden anschließend direkt vor Ort gedruckt – ein faszinierender Einblick in moderne Fertigungstechnologie.
Der zweite Workshop verwandelte Berchtesgaden in ein mathematisches Freiluftlabor: Mit einfachen Hilfsmitteln wurden reale Fragestellungen untersucht. Wie viel Wasser fließt täglich durch einen Brunnen? Wie lange dauert es, bis er überläuft? Wie lässt sich die Höhe eines Turms bestimmen, ohne ihn zu vermessen? Mit kreativen Methoden wurde eine Höhe von etwa 48 Metern ermittelt. Auch Themen wie Steigung (in Prozent und Grad), Symmetrie und sogar die Herleitung der Kreiszahl π wurden praxisnah erfahrbar gemacht. Besonders spannend: Der Wettbewerb um die größte Symmetrie – mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gullideckel und Blüte.
Tag 5: Unter Tage – Wissenschaft und Geschichte vereint
Den Abschluss bildete der Besuch des Salzbergwerks Berchtesgaden. Ausgestattet mit Schutzkleidung ging es tief in die Stollen hinein. Dort wurde eindrucksvoll sichtbar, wie Salz früher und heute gewonnen wird. Eine zentrale Rolle spielt dabei die moderne Soleförderung, deren technische Grundlagen maßgeblich auf den Ingenieur Georg von Reichenbach zurückgehen. Seine innovativen Pumpensysteme ermöglichten es erstmals, Sole effizient über große Entfernungen zu transportieren und legten damit den Grundstein für die industrielle Salzgewinnung in der Region.
Auch heute noch werden in Berchtesgaden jährlich rund 500.000 Tonnen Salz gefördert – eine beeindruckende Zahl, die die wirtschaftliche Bedeutung dieses Rohstoffs unterstreicht. Die Kombination aus Geschichte, Naturwissenschaft und moderner Technik machte diesen letzten Programmpunkt zu einem würdigen Finale der Woche.
Fazit: Lernen, das begeistert
Erfüllt von neuen Eindrücken, erweitertem Wissen und vielen gemeinsamen Erlebnissen trat die Gruppe schließlich die Rückreise nach Schongau an.
Diese Forscherfahrt war weit mehr als ein Schulausflug: Sie zeigte eindrucksvoll, wie spannend und lebendig Naturwissenschaft sein kann, wenn man selbst experimentiert, entdeckt und staunt. Eine Woche, die nicht nur Wissen vermittelte, sondern vor allem Neugier weckte – und Lust auf mehr.
Besonderer Dank gilt der Frank Hirschvogel Stiftung, die diese Fahrt seit Einführung der Forscherwoche mit großem Engagement unterstützt.
Sonja Pösl und Stephanie Braig








