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Digitaltag am Welfen-Gymnasium
Schulgemeinschaft erhält wertvolle Informationen zu Smartphone & Co

Wolff IImmer mehr Kinder und Jugendliche verbringen heute mehr Zeit vor den Bildschirmen digitaler Medien als in der Schule - aber was bedeutet das für uns und unsere Kinder? Dürfen Kinder schon auf Instagram oder Snapchat? Wie viel Bildschirmzeit am Tag ist gesund? Was sind Cybermobbing und Sexting? Wie erkenne ich Fake News und Hate Speech? Aber auch: Welche Chancen bietet uns die Digitaltechnik? Zu all diesen Themen stand der erfahrene Digitaltrainer und Medienpädagoge Daniel Wolff auf Einladung des Fördervereins am 26. April 2018 in Rede und Antwort und gab ganz konkrete Tipps für einen besseren digitalen Alltag in Schule und Familie. Vormittags fanden Vorträge für die Klassenstufen 5 bis 10 statt, am Nachmittag gestaltete Wolff eine Lehrerfortbildung und am Abend waren die Eltern zu einem Informationsabend eingeladen.

In der Öffentlichkeit wird das Thema Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen extrem kontrovers diskutiert: Die einen dächten, je früher die Kinder damit anfingen, desto besser könnten sie wichtige Kompetenzen für die digitale Zukunft erwerben; andere machten grundsätzlich jede Art von Smartphone-Nutzung dafür verantwortlich, dass die Kinder „dick, dumm, krank, faul und traurig“ würden – und würden Smartphones am liebsten verbieten oder wegsperren. Doch die Smartphones haben sich so schnell verbreitet, dass wissenschaftlich belastbare Aussagen über die Auswirkungen der massiven Smartphone-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen noch ausstehen – also läge es an den Eltern, in der Zwischenzeit einen vernünftigen Weg für die eigene Medienerziehung zu finden. Um dies zu tun, müsse man laut Wolff aber erst einmal verstehen, was die Kinder im Internet eigentlich tatsächlich machen – denn mit dem Smartphone könne man natürlich viel mehr tun, als nur mobil zu telefonieren.

Wolff IILaut Wolff fehlen auch den Kindern und Jugendlichen grundlegende Kenntnisse über die Medien, die sie tagtäglich viele Stunden nutzen: So berichtete der frühere IT-Journalist und Gymnasiallehrer Wolff von den Schüler-Workshops, dass so gut wie kein einziges Kind in den 5. und 6. Klassen bis dahin gewusst habe, wie Google und Facebook – ihres Zeichens die Mutterkonzerne von YouTube und Whatsapp – Geld verdienen: Indem sie von jedem einzelnen Nutzer extrem detaillierte Daten-Profile anlegen und diese sehr lukrativ an die Werbe-Industrie verkaufen. Die Kinder zahlen also doch für die Nutzung der großen Internet-Plattformen: Zwar nicht mit Euro, aber mit ihren privaten Daten – und vor allem mit ihrer Aufmerksamkeit. „Wahnsinn, wie viel Geld Youtuber verdienen – und das, obwohl sie gar nichts Besonderes können!“, staunte eine Sechstklässlerin nach dem Vortrag.


Außerdem berichtete Wolff, dass der Großteil Kinder angebe, von den Eltern weder bei der Übergabe des Smartphones noch danach wirklich ernsthaft darüber informiert worden zu sein, welche Inhalte man im Internet ansehen dürfe und welche nicht. Der Medienpädagoge führte aus, dass dieser „medienerzieherische blinde Fleck“ vor allem an der anderen Erfahrung der Eltern in deren eigener Kindheit liege: Damals gab es noch keine Smartphones, so dass das Verständnis für diese Risiken teilweise völlig fehle. „Ein Buch mit Hardcore-Pornographie oder üblem Zombie-Gemetzel würde man seinem 10-jährigen Kind niemals schenken – und einen Fernseher, der Pornos oder Gewaltvideos zeigt, würde man ebenfalls sofort ausschalten. Aber mit einem Smartphone, das dieselben Inhalte anzeigen kann, haben die meisten Eltern merkwürdigerweise kein Problem.“, so Wolff – und wies einige sichtlich betroffene Eltern darauf hin, dass laut geltendem Gesetz die Verfügbarmachung von Pornografie an Kinder oder Jugendliche laut Paragraf 184 StGB eine Straftat darstelle, die mit einem Jahr Haft oder hohen Geldstrafen geahndet werden könne.


Eine ähnliche elterliche Unbekümmertheit gelte für das zeitliche Ausmaß der Nutzung digitaler Medien: Etwa die Hälfte der Kinder in den Workshops hatten angegeben, dass sie keinerlei Zeitlimit einhalten müssten und das Smartphone sogar nachts im oder am Bett behalten dürften. Das ist laut Wolff eine ausgesprochen bedenkliche Entwicklung, denn nachgewiesenermaßen schlafen die Kinder und Jugendlichen heute weniger und schlechter als noch vor wenigen Jahren. Kein Wunder: Wer etwa durch eine Auseinandersetzung im Klassen-Chat oder ein nicht unbedingt jugendfreies Video emotional aufgewühlt ist, schlafe nun einmal schlechter; hinzu käme, dass der blaue Anteil am Display-Licht den Schlafrhythmus zusätzlich störe. Schlafmangel und Konzentrationsschwächen seien die Folge. Wolff empfahl daher sehr eindringlich, alle Smartphones der Familie über Nacht im Wohnzimmer oder Flur zu deponieren – natürlich müssten das dann auch die Eltern tun!
Ein trauriger "Trend" ist derzeit das sogenannte „Cybermobbing“, also das absichtliche Beleidigen, Belästigen oder Bedrohen von Personen im Internet. Viele Erwachsene vergleichen Cybermobbing laut Wolff fälschlicherweise mit Hänseleien, wie man sie in der eigenen Kindheit erlebt hat. Denn ihnen ist in der Regel überhaupt nicht klar, welche extreme soziale Wucht Cybermobbing entwickeln kann - vor allem, weil der Täter die Reaktion des Opfers nicht sehen kann und das Opfer nicht weiß, wer die Beleidigungen noch alles gesehen hat. Auch hier helfe nur, sich zunächst selbst zu informieren, seinen Kindern dauerhaft und genau zuzuhören – und im Falle eines Falles seine Kinder intensiv zu unterstützen. Allerdings öffnen sich Kinder nur, wenn sie zu ihren Eltern ein vertrauensvolles Verhältnis haben und keine Angst, dass ihre Eltern ihnen das Smartphone abnehmen.


Wegsperren ist aber ohnehin keine Lösung: Der Ex-Silicon-Valley-Korrespondent Wolff führte eindrucksvoll aus, welch enormes Potential neue digitale Technologien wie Big Data, Virtual Reality oder 3D-Druck für unsere Gesellschaft und Wirtschaft haben werden – so dass man sich im Interesse der Kinder auch selbst für digitale Trend-Themen interessieren sollte. Dann fällt es auch leichter, den bei Digitalthemen oft stockenden Kommunikationsfluss zwischen Eltern und Kindern wieder in Gang zu bringen. Feste Regeln (siehe www.mediennutzungsvertrag.de) helfen dabei beiden Seiten – sie gelten natürlich auch für die Eltern. Diese könnten sich zudem auf Webseiten wie www.klicksafe.de, www.medien-sicher.de oder www.handysektor.de ausgezeichnet über alle Aspekte der Medienerziehung informieren, so Wolff abschließend.